Warum Hackspaces politisch sein sollten

Disclaimer: Dieser Artikel ist schon ziemlich alt. Auch, wenn ich immer noch hinter der Kernidee stehe, würde ich heute viele Dinge anders formulieren. Wenn ihr ein Problem mit einer Formulierung habt, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich es genauso sehe. Fragt im Zweifel nach.

tl;dr: Macht eure Hackspaces politisch. Jetzt.

Ihr kennt das. Eigentlich wollt ihr nur einen Ort zum rumsitzen, basteln, programmieren, löten, was auch immer euch halt Spaß macht. Und dann gehts ganz schnell und dann tauchen die ersten unangenehmen Gestalten auf. Hab ich jetzt schon an verschiedensten Orten erlebt, das ist ja nun wirklich kein Einzelfall. Unter anderem sind das dann so Menschen, denen ja die CDU viel zu links ist und auf die die rechte Propaganda der AfD voll einschlägt. Oder Kandidaten, die andere Menschen in ihrer Abwesenheit hinterrücks beleidigen und über sie herziehen. Bis hin zu Diskriminierung jeglicher Form. Der Scheiß kommt ganz schnell und weg geht der eher schwer. Nur was lässt sich dagegen tun?

1. Deppen klare Grenzen zeigen

Eines der einfachsten und effektivsten Dinge, die ihr tun könnt, ist es, eine strikte Raumpolicy einzuführen, die solche Diskriminierung, Diffamierung und anderes menschenverachtendes Verhalten nicht erlaubt. Bei uns im Uni-Hackspace haben wir das zum Beispiel gemacht: Spline-Raum-Policy. Ich will nicht sagen, dass es das Tollste und Beste und eine Lösung für alle Probleme ist, aber es ist durchaus hilfreich, Leuten die sich diskriminierend verhalten, die Tür zeigen zu können. Etwas in der Hand zu haben.

Sowas einzuführen ist nicht immer leicht. Bei uns hat das relativ reibungslos funktioniert, ich kenne aber auch den einen oder anderen Ort wo selbst eine so eindeutige und simple Policy wie die oben verlinkte zu größeren Diskussionen führte und am Ende dann nichts beschlossen wurde. Das ist schade. Wenn ihr es aber nicht schafft, in eurem Hackspace sowas einzuführen, dann habt ihr verloren. Deshalb: Mobilisiert dafür. Überzeugt Leute davon, dass es eine gute Idee ist. Eine Policy ist wie ein Feuerlöscher in einer Heuscheune: Ihr wollt das nicht benutzen, aber irgendwann wird es brennen und ihr werdet froh darüber sein, sie zu haben.

Natürlich reicht das nicht, ihr braucht auch eine Kultur in eurem Hackspace, die so etwas lebt. Klärt auf. Weist Menschen darauf hin, wenn sie diskriminierenden Scheiß reden. Weist sie darauf hin, wenn sie sich übergriffig verhalten. So eine Policy ist halt auch nur ein Stück Papier. Wenn sie nicht gelebt wird ist sie vollkommen nutzlos.

2. Nach außen politisch bilden

Und das führt mich auch schon zu meinem zweiten Punkt: Seid politisch. Ein unpolitischer Hackspace ist ein Hackspace, dem es im Zweifel egal ist, was da für rechtes Gesocks um die Ecke kommt und mal vorbeischauen will oder sich gleich direkt einnistet. Das heißt nicht, dass ihr euch in Marxistisch-Stalinistischer Hackspace Musterstadt e.V. umbenennen müsst (auch wenn das sicherlich ein interessantes Experiment sein könnte), aber zumindest, dass ihr politisch auf einer groben Linie sein, euch positionieren solltet.

Dann schreibt ihr halt in eure Satzung rein, dass ihr ein linker Hackspace seid. Machts halt mal. Das hat ne Menge Vorteile. Ihr seid eine Gruppe. Nutzt das für euren Vorteil. Ruft halt mal für die Demo auf der Mailingliste auf, die morgen stattfindet. Finden sich sicher noch Leute.

Bildet. Das macht ihr ja eh schon. Weitet das aus, bildet auch politisch. Technik und Politik lassen sich sehr gut kombinieren. Gibt ja auch viele Schnittpunkte. Seid kreativ, euch fällt da sicher was ein. Wenn ihr eh schon Vorträge macht, macht doch auch Vorträge über politische Themen. Aktuelles, altes, Grundsatzwissen, da ist viel zu holen. Und ich bin mir sicher, dass ihr damit auch vielen Leuten gefährliches Halbwissen austreiben könnt. Das ist gut!

Wie anfangen?

Die ist nicht ganz einfach die Frage. Fangt an, indem ihr diese Dinge vorlebt, mit Leuten redet. Sie darauf hinweist, was für Verhalten schwierig ist. Euch solidarisch zeigt mit Betroffenen. Euch ist das schließlich wichtig, sonst hättet ihr nicht bis hier gelesen. Regt Diskussionen an, das könnt ihr doch. Seid ja kluge Menschen. Müsst es halt nur machen. Fangt bei euch an und regt bei anderen an, das gleiche zu tun.

Ihr solltet nur Acht geben: Klärt erst eure inneren Probleme. Politische Bildung ohne eine klare Positionierung eurerseits wird daneben gehen. Sorgt dafür, dass die Deppen wegbleiben. Bitte. Und dann könnt ihr auch coolere Dinge machen.

Oh, jetzt habe ich die Frage gar nicht beantwortet. Warum sollten Hackspaces politisch sein? Weil die Welt euch braucht.

Einen schönen Abend noch.

Kommentare gibts hier nicht, machts halt über Twitter. Das könnt ihr doch auch sonst so gut. Oder schreibt was dazu. Was längeres. Tut gut.